Einer der Vorreiter des modernen Designs im Erzgebirge ist der Eppendorfer Kunsthandwerker Björn Köhler.

Foto: Björn Köhler Kunsthandwerk, Eppendorf

Weihnachtstrends aus dem Erzgebirge stehen im Zeichen des Bauhausjubiläums

Erzgebirgskunst und Bauhaus? Auf den ersten Blick scheinen diese beiden Stilrichtungen nicht zusammenzupassen. Doch das Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge zeigt sich durchaus vom Credo der Reduktion beeinflusst - und bedient damit einen Zeitgeist, der sich vorzüglich in moderne Interieurs und Wohnwelten einfügt.

100 Jahre Bauhaus - das sind 100 Jahre Minimalismus in der Gestaltung, 100 Jahre Besinnung auf das Wesentliche, 100 Jahre Einheit von Form und Funktion. Auch das Erzgebirgische Kunsthandwerk ist in vielerlei Hinsicht vom Bauhaus geprägt. Im Trend liegen Kerzenhalter und Pyramiden, Engel und Schwibbögen, reduziert auf die Form, die die jeweils beste für ihren Zweck ist. Ganz im Sinne der Vorreiter der Moderne, die 1919 am Bauhaus in Dessau den Aufbruch in eine neue Zeit wagten.

Trends setzen Pyramiden, die ganz ohne Figuren auskommen wie die "sphaera" von rauta aus Neuhirschstein, oder Leerpyramiden, die nach Belieben mit schlichten Figuren bestückt werden können, so wie die "Calida" aus der Volkskunstwerkstatt Unger. Auch der Schwibbogen "Halo" aus der Drechslerei Wagner wirkt ganz für sich allein und verbindet in den neuartigen Lichtsäulen Form und Funktion auf innovative Weise. Der Drehbaum "Twist" von der Seiffener Volkskunst eG, gestaltet vom Designerduo Clemens Haufe und Sven Deutloff von der Schneeberger Fachhochschule für Angewandte Kunst, zeigt sich dem Minimalismus verpflichtet und sorgt mit den verdrehbaren Ästen für maximalen Spaß am Spiel. Im Figürlichen überzeugen reduzierte Gestaltungen wie die der Erzclique von Emil A. Schalling aus Seiffen, die Engel und Bergmann in neuem Licht zeigt, oder von Designer Andreas H. Fleischer, der unter anderem die neue Gruppe der "Heiligen Drei Könige" für Näumanns Galerie in Seiffen entwarf.

Wolfgang Braun aus Oberlochmühle schuf anlässlich des 100-jährigen Bauhausjubiläums mit seiner Erzgebirgischen Spielerei eine Hommage an das Bauhaus: farblich reduziert, mit vielen steckbaren Elementen, die Raum für Kreativität lassen. Ein Baukastensystem, dessen Stärke die Reduktion auf das Einfache ist. "Design war schon immer wichtig für mich. Nur durch das kreative Gestalten können wir die Welt neu denken", sagt der Kunsthandwerker. "Das Thema steht in unserer Tradition aus besten Zeiten." Die "Erzgebirgische Spielerei" mit Engel & Bergmann, Lichterbogen und Reiter wurde im Gestaltungswettbewerb "Tradition und Form" 2019 mit einem Hauptpreis ausgezeichnet.

Einer der Vorreiter des modernen Designs im Erzgebirge ist der Eppendorfer Kunsthandwerker Björn Köhler, der vor 30 Jahren die erzgebirgische Formensprache revolutionierte. Heute sind seine Figuren, die ganz ohne Gesicht und nur mit der Kraft ihrer Form ein Maximum an Ausdruck entfalten, moderne Klassiker. Sie wirken als Vorbild und Katalysator für zahlreiche Designs, bei denen einfache Formen die Konzentration auf das Wesentliche fordern.

"Weihnachten ist moderner geworden", resümiert Dieter Uhlmann, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. "Wo früher in Gestaltung und Dekoration Tradition der Maßstab war, schmücken heute nicht nur junge Leute ihre Wohnung zum Fest betont schlicht und modern. Die Kunsthandwerker aus dem Erzgebirge bedienen diesen Trend mit formschönen und funktionalen Erzeugnissen, die handwerklich ganz in der großen Tradition der Erzgebirgischen Holzkunst stehen und höchste Designansprüche erfüllen."

 
erschienen am 04.11.2019
 
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