Schwibbogen

Foto: Kristian Hahn / Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V.

Der Schwibbogen leuchtet die Weihnachtszeit ein

Untrennbar mit der Weihnachtszeit verbunden: der Schwibbogen - bekannteste Variante geht auf eine Grafikerin aus Leipzig zurück

Der Schwibbogen - bergmännischer, erzgebirgischer Lichterbogen - ist aus der Reihe des traditionellen Weihnachtsschmucks nicht mehr wegzudenken. Seit über 80 Jahren schmückt er die Stuben und Fenster im Erzgebirge und steht in großen Ausführungen auf Plätzen und an Straßen. Und längst hat er seinen Siegeszug in die Welt angetreten. Das Schwibbogenmotiv, das am weitesten verbreitet sein dürfte, entstand für die Feierohmd-Schau, die 1937/38 Zehntausende nach Schwarzenberg lockte.

Symbolik setzt Vorgaben um

Friedrich Emil Krauß, der Initiator dieser größten volkskundlichen Ausstellung handwerklichen Schaffens im Erzgebirge, hatte zur Gestaltung eines Schwibbogens aufgerufen, der symbolisch das Brauchtum und die alten Gewerke der Region zeigen sollte. Der Entwurf der Grafikerin Paula Jordan aus Leipzig kam der Vorgabe sehr nah. Die einfühlsame bildliche Darstellung zeigt zwei Bergleute, die einen Schild mit den sächsischen Kurschwertern halten, darunter die Bergmannstruhe, verziert mit Schlägel und Bergeisen. An den Seiten sitzen eine Klöpplerin und ein Schnitzer. Die Weihnachtstradition bezeugen Leuchterspinne, Schwebeengel und Räuchermann. Auf die Sagenwelt deutet die Wunderblume, auf die Volkskunst die aufgehende Blüte hin. Das Hufeisen erinnert an den Bergschmied. Es ist erstaunlich, wie treffend die Grafikerin die Themen umgesetzt hat.

Paula Jordans Lebensweg begann 1896 in Straßburg. Dort besuchte sie nach der Grundschule das Lehrerseminar, ihre erste Lehrerstelle erhielt sie in Disteldorf. In dieser Vogesenlandschaft kam sie mit der Atmosphäre eines christlichen Pfarrhauses in Berührung. 1919 musste sie die Heimat verlassen. Nach der Ausweisung vertiefte sie ihre künstlerischen Fähigkeiten in Offenbach in der kunstgewerblichen Schule.

1922 zog sie nach Leipzig, wechselte an die Akademie für Grafische Künste und Buchgewerbe. Vor allem christliche Motive schuf sie nun in großer Zahl. Sie lieferte Vorlagen für Kirchenfenster, illustrierte Kinderbücher und entwarf Bilder für Kinderbibeln. Von ihr stammen die Bilder in "Schild des Glaubens", christlichen Büchern, Weihnachtskalendern und Durchscheinbildern.

Für das Erzgebirge ist interessant, dass die Grafik am Eingang der Markersbacher Kirche mit dem Bibelspruch "Wanderer, kannst du auch beten?" von ihr stammt. Die Illustrationen für das Liederbuch "Unner Haamit" von Helmut Stapff sind ebenfalls von ihr. Ab 1942 verbrachte sie die Kriegsjahre in der Lausitz.

Mit ihrem Adoptivsohn übersiedelte die Künstlerin 1952 nach Stuttgart. Dort arbeitete sie noch viele Jahre im Verlag der Jungen Gemeinde und für den Stauda-Verlag Kassel. Ihre letzten Jahre bis 1986 verbrachte sie in einem christlichen Seniorenheim in Stuttgart. Paula Jordans Lebensdaten bildeten die Basis einer romanhaften Biografie von Martin Haug (Stuttgart) und einer theologischen Ausarbeitung von Pfarrer Christian Mai (Jonsdorf). Paula Jordan wird als bescheidene, stille Frau geschildert. Die Liste ihrer Werke ist lang, ihr Stil unverkennbar. Beim Anblick ihres Schwibbogens kann man sich an eine besondere Frau und große Künstlerin erinnern.

Original in Johanngeorgenstadt

Der Entwurf von 1937 begleitet die Erzgebirger seither als "Schwarzenberger Schwibbogen" durch die Weihnachtszeit. Das 6,50 Meter lange und 3,20 Meter hohe Original für die Feierohmdschau fertigten die Bergschmiedemeister Max Adler und Curt Teller. Es hat später seinen Platz an der Eibenstocker Straße in Johanngeorgenstadt gefunden.

Jene Bergstadt und der Familienname Teller sind ohnehin aufs engste mit der Geschichte des Schwibbogens verknüpft. Intensiv hat diese Familie bisher die Traditionen gepflegt und geschichtliche Daten des Schwibbogens aufgezeichnet. So konnte Christian Teller noch nachweisen, dass der älteste bekannte Schwibbogen die Jahreszahl 1740 trägt. Er zeigt kombiniert ein bergmännisches Motiv im Schutz von schwebenden Engeln sowie die Darstellung des Paradieses mit Adam und Eva. In den folgenden Jahren beherrschten christliche Motive das Bild des Schwibbogens. Aber immer wieder setzte sich der Bergbau durch. Der Bogen ist meistens mit sieben oder neun Kerzen bestückt, wird aber in neuerer Zeit überwiegend elektrisch beleuchtet.

Mit der Verbreitung des Schwibbogens in Familien entstanden zahllose Varianten, deren Umfang kaum noch zu erfassen ist. Die Erfinder lassen Fantasie walten. Ihre Motive entsprechen aber oft nicht dem eigentlichen Sinn des Schwibbogens.

 
(Von Annelies Borack)
 
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